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Virtuelle Vorlesungen, Ausgangsbeschränkungen, kaum eine Chance Freunde zu treffen oder sich einfach mal unter die Leute zu mischen. Die Corona Pandemie fährt nicht nur die Wirtschaft herunter, sondern auch die sozialen Kontakte. In der momentanen Lage fühlen sich viele plötzlich ziemlich einsam. Wir fragen uns alle mit wachsender Unsicherheit, wie wir die Wochen oder gar Monate mehr oder weniger isoliert in der eigenen häuslichen Umgebung überstehen sollen. Ausgerechnet Studenten gelten als Risikogruppe für psychische Belastungen und für Einsamkeit. In einer Umfrage des Deutschen Studentenwerks gaben vier Prozent der Studierenden an, so große Kontaktschwierigkeiten zu haben, dass sie Hilfe wünschen. Weitere elf Prozent spürten depressive Verstimmungen, die oft aus Einsamkeitsgefühlen resultieren. Vielleicht eine gute Gelegenheit sich auf völlig neue Weise mit dem Thema Einsamkeit und Alleinsein zu befassen und Frieden damit zu schließen.

Angst und Unsicherheit

Vielleicht kennst auch Du das Gefühl Einsamkeit? Es lebt in jedem von uns in unterschiedlicher Ausprägung. Als Therapeutin und Psychologischer Coach begleite ich Menschen dabei, dass sie ihren individuellen Weg finden und sich ihrer gefühlten Einsamkeit stellen. Dabei höre ich aufmerksam zu, gebe Impulse mit auf den Weg, was möglich und erreichbar ist.

Es ist ein sehr anstrengender Weg, der viel Kraft erfordert. Aber es lohnt sich! Jeder kleine Schritt, der unternommen wird, kann Stück für Stück von Ängsten und Unsicherheiten befreien. Wir dürfen nicht alles glauben, was wir denken. Das Beste: Wir können es selbst bestimmen und ändern, wie und was wir denken.

Die Corona Krise erzeugt sehr viel Unsicherheit. Positives Denken allein, reicht hier nicht aus. Es geht vielmehr darum, realistisch und zuversichtlich zu sein, optimistisch bleiben und zu akzeptieren, wie Du Dich aktuell fühlst. Gefühle sind grundsätzlich neutral, erst Deine Interpretation machen sie zu positiven bzw. negativen Emotionen. Es ist wichtig Strategien an der Hand zu haben, die Dir helfen, von der Angstschaltung im Gehirn in Dein Wachstumspotential zu kommen. Stresshormon Cortisol ade bis Willkommen Glückshormon Oxytocin.

Einsamkeit hat etwas Peinliches

Nie war es so leicht, mit anderen in Kontakt zu kommen. In Zeiten von Social Media sind wir so vernetzt wie noch nie. Doch immer mehr Menschen fühlen sich einsam. Soziale Medien können ein negativer Verstärker sein, weil sie ein verfälschtes Bild der Realität abbilden. Eine gute Heuristik ist, sich auf sozialen Plattformen so zu verhalten, wie man sich auch im realen Leben verhalten würde. Das bedeutet, ich sage Hallo oder gratuliere zum Geburtstag den Personen, mit denen ich mich auch im realen Leben persönlich austauschen würde. Betrachte die Sozialen Medien als verlängerten Arm des realen Lebens und nicht abgekoppelt, als Parallelwelt.

Einsamkeit ist ein schambehaftetes Thema und manchmal hat sie etwas Peinliches. Wenn Du nämlich in einer großen Gruppe stehst und gefühlt so ganz alleine dabeistehst. Alle anderen sind irgendwie in der Gemeinschaft eingebettet, lachen, und Du sitzt einfach nur da. Das gibt einem zunehmend ein unbehagliches beklemmendes Gefühl.

Fühlst Du Dich einsam und allein als Single, dann ist das gesellschaftlich mehr akzeptiert, als wenn Du in einer Partnerschaft lebst oder über einen großen Freundeskreis verfügst. Großer Freundeskreis, interessantes Studium, lukrativer Nebenjob, coole Partnerschaft – äußerlich betrachtet läuft alles, aber innen fühlt es sich einfach anders an. Nicht greifbar, keine Kontrolle, Verlustangst, diffuses Heimweh, da und doch nicht da. Teilst Du Dich mit, dann denken viele: Ok, was stimmt nicht mit ihr/ihm? Der Beginn der sozialen Isolation unter vermeintlich Gleichgesinnten.

Einsamkeit vs. Alleinsein

Was bedeutet eigentlich Einsamkeit? Es ist das ungute negative Gefühl, wenn man alleine ist. Die gebürtige Inderin Mini Kapur hat für sich ein eigenes Bild gefunden: „Es ist ein schwarzer Raum und du weißt gar nicht, wo der Ausgang ist. Du siehst keinen Ausgang. Für mich war es das. Und du sitzt wie ein kleines Mädchen in diesem Raum, das sich gar nicht entscheiden kann. So ist das.“ Psychologen sagen: „Einsamkeit ist eine Gefängniszelle, die sich nur von innen öffnen lässt.“

Fünf Prozent aller Deutschen rücken Einsamkeit immerhin in die Größenordnung drängender sozialer Probleme wie das der Arbeitslosigkeit. Nach einer bundesweiten Studie von 2014 gibt es mehrere Einsamkeitstypen, neben der Gruppe der Studenten, z.B. die „Workaholics“, Menschen, die sich über ihre Arbeit definieren und in Arbeit vergraben, die „Verletzlichen“, zu 70 Prozent Frauen, die aus Angst Beziehungen vermeiden.

Wenig überraschend ist festzustellen, dass Singles einsamer sind als Menschen in einer Beziehung. Dabei macht es keinen Unterschied, ob sie Kinder haben oder nicht. Männer leiden deutlich häufiger als Frauen, obwohl sie an ihr soziales Leben viel geringere Ansprüche stellen. Das heißt, Männer brauchen weder ein großes Freundschaftsnetz, noch den häufigen Austausch von Gefühlen. Ihnen ist vor allem eins wichtig: eine Partnerin. Wenn nun etwas in der Partnerschaft passiert wie z.B. eine Trennung oder ein plötzlicher Tod der Lebenspartnerin, dann fallen Männer in ein großes emotionales Einsamkeitstief. Frauen erholen sich im Vergleich viel schneller. Das liegt einfach daran, dass sie ein viel größeres Netzwerk haben.

Erst ab dem Grundschulalter können Kinder ihre Einsamkeit bewusst reflektieren und zu ihrem eigenen Verhalten in Beziehung setzen. Wenn Kinder sich als Verlierer im Status-Gerangel wiederfinden, wie es längst auch den Kindergarten erreicht hat, wenn sie keine Aufgabe im Fußball- oder Theaterspiel erhalten, ähnelt ihre Ursachenanalyse der von Erwachsenen: Soziale Erfolge nehmen sie als Zufall wahr, Misserfolge schreiben sie sich selbst zu. Häufige Glaubenssätze sind „Ich bin langweilig, hässlich und dumm.“ In Wirklichkeit fällt vor allem schüchternen oder aggressiven Kindern der Zugang zu Gleichaltrigen schwer.

Alleinsein hingegen bedeutet, faktisch in keiner sozialen Beziehung zu stehen. Sowohl räumlich, als auch ohne das Bedürfnis nach menschlicher Nähe. Ob man tatsächlich soziale Beziehungen hat und Zeit mit Menschen verbringt, sagt Nichts darüber aus, wie man sich fühlt. Alleinsein kann angenehm sein, sogar bewusst gewählt werden. Viele Menschen nutzen das Alleinsein als Kraftquelle, sie schätzen die Momente des Für-sich-Seins. Ganz nach dem Motto: Wenn Du mit Dir selbst verbunden bist und weißt, dass das Alleinsein zum Menschsein einfach dazugehört, kannst Du nicht einsam sein. Und auch nicht, wenn Du weißt, dass wir immer ganz vielfältig mit anderen verbunden sind. Alleinsein dient dazu, wieder bei sich anzukommen.

Doch wenn es weh tut und quält, wenn es den Brustkorb einschnürt, manchmal mitten unter Menschen – dann ist es Einsamkeit. Die Auswirkungen der Einsamkeit hat viele Gesichter, mangelndes Selbstwertgefühl, Arbeitsprobleme, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, soziale Phobien, Ängste, Depressivität, Probleme im sozialen Miteinander oder mitunter Suizidgedanken, machen Studenten das Leben öfter zur Hölle, als es den anderen Teilen der Bevölkerung zusetzt. Und doch gibt es so viele Menschen, die allein leben oder sehr oft ganz für sich sind und sich damit rundum glücklich fühlen.

Sie haben sich mit dem Alleinsein versöhnt und pflegen eine Freundschaft mit sich selbst und sind sich der vielfältigen tragbaren Formen der Verbundenheit im Leben sehr bewusst.

Wann fühlen wir uns einsam?

Es gibt unterschiedliche Lebensphasen, in denen man sich einsam fühlen kann. Es sind die Situationen die alle Menschen einen, wie z.B. die soziale Referenzgruppe wechselt (Pubertät, Schulwechsel), sogenannte Lebensübergangsphasen mit Peaks Anfang 30 (Jobwechsel, Familiengründung, Umzug), Mitte 50 (Scheidung, Tod, Umzug) und Ende 80 (Verlust von Angehörigen, Freunden, Umzug ins Altersheim).

Das soziale Gefüge der Gesellschaft dünnt langsam aus. Darum sind Menschen im mittleren Alter heute schon besonders betroffen, sie haben zu wenig Verwandte. Viele sind bereits als Einzelkind zweier Einzelkinder, auf die Welt gekommen. Also ohne Geschwister, Tanten, Onkel, Cousinen, Cousins, Schwägerinnen, Schwager, Nichten oder Neffen. Ganz allein müssen sie sich um ihre Eltern kümmern, was einsame Alte hervorbringt. Hinzu kommt der „Matthäus-Effekt“ sozialer Gefüge, das bedeutet: Wer hat, dem wird gegeben, mit exponentieller Wirkung. Ein paar gut vernetzte Freunde sorgen für einen Fluss an Kontaktangeboten. Menschen mit vielen Kindern sind mit Enkeln meist reich gesegnet. Ganz klare Rechnung: Wer nicht hat, der geht leer aus.

Emotionale und soziale Einsamkeit

Zwei Grundformen der Einsamkeit unterscheidet die Psychologie. Ein „emotional einsamer“ Mensch kann selbst einer geliebten Person nicht mehr nah sein. Nicht die reale soziale Isolation zählt, sondern das subjektive Gefühl, dass vertraute innige Beziehungen fehlen.

„Soziale Einsamkeit“ nennt man das schmerzliche Gefühl nicht dazu zu gehören. So als stünde man hinter einer unsichtbaren Wand. 

Anflüge von Einsamkeit kennt jeder: Als Kind am Rand eines Spiels zu stehen, ohne eingeladen zu sein. Zum Semesterstart in der Mensa sitzen die Anderen bereits in Gruppen zusammen, kein Stuhl ist mehr frei. Sich von anderen schmerzhaft getrennt zu fühlen, gehört zur evolutionären Grundausstattung.

Bislang gibt es nur wenige Studien über die kulturelle Dimension der Einsamkeit. Offenbar reagieren Menschen umso stärker, je mehr ihre Gesellschaft auf Gemeinschaft ausgerichtet ist.

Es sind grundsätzlich zwei Haltungen in sozialen Situationen zu beobachten. Erstens: Ah, eine Chance mit Hoffnung auf Erfolg, neue Kontakte zu knüpfen. Zweitens: die Angst vor Misserfolg bzw. Zurückweisung. Das Problem der zweiten Haltung ist, diese vermittle ich unbewusst und wirke damit auf andere als nicht so attraktiv. Die Entwicklung ist eher als schwierig, gar ungünstig zu bewerten, da manche Situationen dann gar nicht erst aufgesucht werden. Self Fulfilling Prophecy: die negative Spirale entsteht, das Misstrauen gegenüber anderen wächst.

Das Bedürfnis nach sozialer Nähe

Es gibt zwei Formen, die das Bedürfnis nach sozialer Nähe definieren. Bestimmt mein Handeln das Motiv nach Anschluss, dann bin ich verstärkt auf der Suche nach Geselligkeit, wie z.B. Schafkopfrunden, Netflix Abende. Ist mein Motiv Intimität, dann sind mir Gespräche wichtig, in denen ich Tiefe und Verbundenheit zu meinem Gegenüber verspüre und mich fallen lassen kann. Intimität wird nicht durch viele soziale Kontakte befriedigt. Beide Formen sind individuell zu bewerten.

Im ersten Semester bilden sich Freundschaften und Cliquen. Wer als Student eher schüchtern und unsicher ist und sich entsprechend verhält, verpasst nicht selten den Anschluss. Nach einer gewissen Zeit ist es für Neulinge schwierig sich in neue Gruppen zu integrieren. Viele Studenten studieren fernab der Heimat und bis dato bestehender sozialer Verbindungen die entsprechend Rückhalt geben könnten. Keine Heimat, noch keinen wirklichen Halt gefunden und aufgrund widriger Wohnungsmarktpolitik auch noch kein eigenes Zuhause geschaffen, das eine Heimat werden könnte. Zuhause ist dort, wo man sich aktuell am meisten aufhält. Es fehlt schlichtweg der Mut auf andere zuzugehen und somit haben viele Studenten niemanden mit dem sie reden können. Viele flüchten sich dann in die Nutzung moderner Kommunikationsmittel. Gerade in der aktuellen Corona Pandemie ist man noch mehr auf sich gestellt und muss mehr schriftliche Arbeiten abgeben. Also wieder stundenlang vor dem Laptop sitzen. Diese Art der Beschäftigung und Nutzung der Kommunikationsmittel ersetzt aber dauerhaft nicht die sozialen Verbindungen.

Studenten sind glücklicher, wenn sie sich sozial unterstützt fühlen. Wichtiger als die Häufigkeit des Kontakts, ist dabei die Zahl der Menschen um uns herum, die uns wichtig sind.

Eine weitere Falle in die junge Studierende hereinfallen können, ist der Opportunismus der jungen Jahre als innerer Unruhe Motor. Das Gefühl die Welt hört vor dem heimischen Gartenzaun auf. Die Welt entdecken zu wollen ist zur Notwendigkeit geworden. Entwicklungspsychologisch betrachtet macht es durchaus Sinn hinaus in die Welt zu gehen. Der emotionale Bezugspunkt der Eltern muss weg brechen, damit ein junger Mensch sich von zu Hause löst und seine wichtigsten Beziehungen nun außerhalb des Elternhauses sucht.

Es in jedem Falle anders zu machen, als die Eltern, weit weg von deren Einfluss neue Wege gehen. Fehlende Verbindlichkeit sich auf nichts wirklich festlegen und alle sich bietenden Chancen nutzen wollen. Natürliche Bedürfnisse junger Menschen, aber im Vergleich zu früher ohne doppelten Boden. Nichts ist steter als der Wandel, jedoch durchläuft man diesen sicherer, wenn wir über eigene Wurzeln, Bindungen, Werte, Bezugspunkte und Freundschaften verfügen. Ansonsten sind wir als Opportunisten nur auf der Durchreise durch unser eigenes Leben.

Langfristige Auswirkungen von Einsamkeit

Die Corona-Pandemie kann als großes Lebensereignis betrachtet werden, das uns alle betrifft. Es ist auf einmal eine Situation entstanden, von der alle Menschen betroffen sind und die einem von außen auferlegt wird. Soziale Kontakte zu vermeiden ist etwas, was uns als sozialen Wesen nicht wirklich liegt. Einsamkeit macht dauerhaft körperlich und seelisch krank. Man kann es sich als eine Art Dauerschmerz vorstellen und sozial isoliert zu sein senkt die Lebenserwartung. Einsamkeit ist so schädlich wie Alkoholismus oder 15 Zigaretten täglich und sogar doppelt so schädlich wie Fettleibigkeit. Dauerhaft Einsame leiden häufiger unter Erschöpfungszuständen, Entzündungen, Kopfschmerzen, psychosomatischen Beschwerden, Kreislaufstörungen oder hohem Blutdruck. Das Risiko für Angststörungen und Depression steigt. Die aktuelle Corona Pandemie kann auch für das Immunsystem ein Problem werden. Denn viele, auch junge gesunde Leute, leiden unter dem chronischen Stress der Isolation und Ausgangsbeschränkungen, sodass die Schlafqualität gestört ist und eine nicht so gute Schlafhygiene vorherrscht. Ein Erklärungsversuch aus evolutionärer Sicht: Wir Menschen sind Herdentiere, für die Schlaf ein vulnerabler Zustand ist. Wenn wir uns gut in eine Gesellschaft eingebettet fühlen können wir tief schlafen, weil potentielle Gefahren aus der Umwelt von jemand anderen aus der Gruppe wahrgenommen und wir somit rechtzeitig gewarnt werden. Im Vergleich dazu, wenn ich alleine bin, muss ich sozusagen leicht schlafen, um auch Umweltgeräusche noch wahrnehmen zu können, um gewarnt zu werden, um im Zweifelsfall mich selbst schützen zu können. Ein Notfall Tipp für eine Verbesserung der Schlafqualität in Pandemie Zeiten: Beginne mit Meditationsübungen, jetzt ist die Zeit dafür genau richtig. Meditation verbessert nachhaltig den Schlaf. Dafür ist es auch nicht zwingend notwendig ein Seminar oder ähnliches zu besuchen. Für den Anfang reicht es, sich für 15 Minuten hinzusetzen, die Augen zu schließen, sich auf die Atmung zu konzentrieren (kürzer einatmen und länger ausatmen) und dabei leicht zu lächeln.

Auch minimale körperliche Nähe wirkt sich auf das Gefühl Einsamkeit aus. Berührungen erhöhen nachweislich den Serotoninspiegel. In Quarantäne sind Berührungen jedoch untersagt. Wie kompensieren wir das lohnende Gefühl einer Berührung durch einen uns angenehmen nahestehenden Menschen? Eine Möglichkeit zur Selbstregulierung ist durch ein verändertes Essverhalten. Wenn wir einsam sind und starken Mangel an Berührungen spüren, wenden wir uns dem Essen zu, um uns wohler zu fühlen. Andere Beschäftigungen die als kompensatorische Belohnungsverhalten funktionieren, sind Musik zu hören oder zu machen, Sport zu treiben und Filme zu schauen. Auch ein Lächeln hilft über die berührungsarme Zeit hinweg. Dabei werden Signale ans Gehirn gesendet die ein ähnliches Glücksgefühl erzeugen. Auch der Kontakt zu lebenden Organismen, wie z.B. das Berühren von Pflanzen oder Gärtnern ohne Handschuhe, lässt den Serotoninspiegel nachweislich in die Höhe schnellen. Dadurch werden vermehrt Endorphine, sogenannte Glückshormone, im Körper ausgeschüttet. Dieselben Hormone, die uns beim Körper- und Hautkontakt mit Menschen, ein positives Gefühl geben.

Was kann ich gegen Einsamkeit tun?

Reicht hier der gut gemeinte Rat, sich in einem Sportverein anzumelden? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten, da das Thema sehr komplex ist und die unterschiedlichen Gründe tief verwurzelt liegen. Die Verbindung zu Menschen ist ein Lebensthema schlechthin. Chronische Einsamkeit ist ein sehr existenzielles Gefühl und individuell erlebter Prozess, wo pauschale Ratschläge fehl am Platz sind. Die Anmeldung in einem Sportverein kann eine gute Ausgangsbasis sein, die erst einmal eine Zwanglosigkeit für die Kontaktherstellung in einer Gruppe Gleichgesinnter darstellt. Ein hilfreicher Schritt kann die Entscheidung sein, anderen etwas Gutes zu tun und sich sozial zu engagieren in Organisationen, wie z.B. Roteract, Lion´s Club, Malteser. Das erhöht die Selbstwirksamkeit und Selbstsicherheit im Umgang mit anderen Menschen. Beides wichtige Faktoren in der sozialen Interaktion und im Kennenlernprozess. Selbstwirksamkeit zu spüren, aus eigener Kraft und mit eigenen Ideen Freundschaft und Gemeinschaft zum Laufen zu bringen.

Ebenso wichtig ist es sich selbst kennenzulernen. Herauszufinden, was einem wirklich wichtig ist. Geht es einem um Geselligkeit, einen großen Freundes-/Bekanntenkreis zu pflegen oder eher um Intimität in Beziehungen? Ist Geselligkeit das was dich umtreibt, ist es wichtig aus seiner Komfortzone herauszukommen und Situationen zu nutzen, in denen Chancen bestehen neue Kontakte zu knüpfen. Ebenso sinnvoll ist es seinen Blick auf bestehende Beziehungen zu werfen und überprüfen, was kann man dort verbessern oder intensivieren. Stereotype Vorstellungen von z.B. “was ist cool?”, “brauche ich wirklich eine Clique?” a la „How I Met Your Mother“ (US-amerikanische Sitcom) erzeugen gesellschaftlichen Druck unter jungen Menschen. Oft wird resümiert, wenn nicht das gleiche Leben geführt wird, ist man nicht in Ordnung. Hilfreich ist seine Vorstellungen regelmäßig zu überprüfen und zu hinterfragen, welche anderen Verhaltensweisen können die eigenen Bedürfnisse wirklich befriedigen.

Hilfreich ist es, sich der kritischen Lebensübergänge bewusst zu werden und vorplanen. Das kann bedeuten, dass man sich seine beste Freundin/Freund schnappt und gemeinsam in den ersten Tagen den neuen Studienort kennenlernt. Das macht es leichter sich einzugewöhnen und neue Leute kennenzulernen. In Zeiten der Corona Pandemie ist dieser Schritt noch nicht so einfach umzusetzen, aber es finden ja bereits erste Lockerungen statt, so dass mit Mundschutz die ein oder andere Aktivität hoffentlich pünktlich zum nächsten Semesterbeginn unternommen werden kann.

Was hilft akut gegen Einsamkeit in Corona Zeiten?

Die aktuelle Situation trifft unterschiedliche Altersgruppen auf unterschiedliche Art und Weise. Stichwort FOMO (Fear of Missing Out): Die Ausgangsbeschränkungen treffen selbstverständlich auch Studenten in der Art wie aktuell die Vorlesungen abgehalten werden und die soziale Distanz zu Kommilitonen. Was können genau Studenten gegen das Gefühl der Einsamkeit unternehmen? 

  • Virtuelle WG`s bzw. Lerngruppen gründen
  • Virtuelle Koch-/Dinnerparties (jeder bringt etwas aus seiner Stadt/Land mit, Rezepte Austausch, gemeinsam virtuell kochen bzw. essen)
  • Regelmäßigkeit in virtuelle Treffen bringen
  • Kommunikation ändern, mehr telefonieren oder Video-Calls nutzen, statt über Whats App oder soziale Medien zu chatten (Persönlichkeit schafft Verbindlichkeit). Wenn Du ein paar Minuten Zeit hast, dann rufe ein Familienmitglied oder einen Freund an. Soziale Kontakte und Unterstützung sind für den Umgang mit Einsamkeit von großer Bedeutung. Pflege die Verbindungen zu Familie und Freunden. Mit anderen zu sprechen kann viel Gutes bewirken.
  • Eine geregelte Tagesstruktur schaffen: Eine zeitliche und räumliche Struktur kann jetzt helfen. Dazu gehören feste Lernzeiten, Pausen und Essenszeiten. Wir brauchen Kontrolle über unseren Tag. Es kann zwar sein, dass der individuelle Lernrhythmus zuhause etwas anpasst wird. Trotzdem ist es wichtig, für sich festzulegen in welchen Zeiträumen man lernt und wann die Lernzeit beendet ist. Zudem ist es wichtig den üblichen Tagesrhythmus einzuhalten. Heißt auch jetzt morgens aufstehen, frühstücken und in die normale Kleidung zu schlüpfen. Am besten man beginnt die Tage ganz offiziell, als würde man anschließend in die Uni spazieren. Die Aufrechterhaltung dieser morgendlichen Routine hilft, den Tag bewusst und strukturiert zu beginnen und lässt den Lagerkoller in die Ferne rücken.
  • Was die Nutzung der sozialen Medien angeht, zeigte 2015 ein Studie der Klinik für Psychosomatische Medizin in Mainz, wo der gesunde Mittelweg liegen mag: Junge Menschen, die mehr als sechs Stunden, also mit Suchtcharakter, täglich online sind, haben es schwerer, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen. Sie kommunizieren weniger, vertrauen ihren Freunden weniger und fühlen sich von anderen stärker entfremdet. Doch in Maßen genutzt, stärken digitale Netzwerke, gerade in Corona Zeiten, die realen Freundschaften sogar.
  • Auch jetzt ist es möglich, sich in einem gewissen Maße sozial zu engagieren. Indem man z.B. Älteren Nachbarn bei kleineren Alltagserledigungen wie Einkäufe erledigen behilflich ist.
  • In Zeiten von Corona dem Körper etwas Gutes tun. Es gibt viele gute Gründe sich zu bewegen und dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun. Mit ein bisschen Kreativität, neuen Bewegungsformen und den richtigen Tipps schafft man es auch in der Isolation fit zu bleiben.
  • Alles, was einander näher bringt (unter Beachtung der aktuell vorgegebenen Abstandsregelungen), hilft, wie z.B. einander helfen, musizieren, singen, tanzen, Zeit in der Natur verbringen.

Die zweite Welle und nun?

Die ersten Lockerungen sind in Sicht und werden zum Teil bereits umgesetzt. Wir Menschen sind bekanntlich Gewohnheitstiere und kommen mit Veränderungen nach einer Zeit gut klar. Wir freuen uns derzeit mehr, dass wir vereinzelt auch wieder Besuche machen können. Aber was tun, wenn es bei einer potentiellen zweiten Welle wieder zurück in die Isolation geht? Gerade die aktuelle Lage und Phase, in der alle vor der gleichen Herausforderung stehen, sich zu solidarisieren, zusammenzuhalten und nach kreativen Lösungen zu suchen, schweißt möglicherweise die Menschen mehr zusammen. Das wäre zumindest wünschenswert. Einsamkeit ist eigentlich ein stigmatisiertes Thema, das als persönlicher Makel oder Fehler angesehen wird. Die Krise kann dazu beitragen, dass sich diejenigen besser verstanden fühlen, die schon vorher einsam waren. Denn jetzt erleben auch andere Menschen die soziale Isolation. Auch erleben jetzt einige Gruppen eine erhöhte Selbstwirksamkeit, was wiederum das Selbstvertrauen in sich selbst stärkt. Menschen, die einsam waren, weil sie sich etwa um ihre chronisch kranken Kinder kümmern mussten und kaum das Haus verlassen konnten, geben anderen Menschen auf in den sozialen Medien Ratschläge. Vielleicht ergibt sich dadurch in Zukunft ein Austausch, von dem beide Seiten profitieren können. Es ist die einmalige gesellschaftliche Chance den Gemeinschaftssinn zu stärken und es schafft, Freundschaften auch über Distanzen hinweg aufrecht zu erhalten. Hoffentlich vergessen wir Menschen unsere jetzige Situation nicht, damit wir später alle verständnisvoller miteinander umgehen. Gerade mit den Menschen für die die Einsamkeit Alltag ist.

Warum Mut wichtig ist

Veränderungen im Außen und Innen braucht Mut. Der menschliche Mechanismus, an den lieb gewonnenen Gewohnheiten festzuhalten, ist enorm. Jede Veränderung bedeutet Stress, Widerstand, manchmal Trotz, Unwägbarkeiten und Risiken. Oft müssen wir erst schlechte Erfahrungen machen, um eine Veränderung wirklich in Betracht zu ziehen. Sorge bereitet uns die Unberechenbarkeit, die Risiken und der Kontrollverlust.

Jeder findet seinen eigenen individuellen Weg mit dieser Corona Pandemie umzugehen.

Wer jedoch feststellt, dass er sich über einen längeren Zeitraum sehr einsam, traurig, hoffnungslos, wertlos oder antriebslos fühlt, es nicht alleine schafft mit chronischer Einsamkeit positiv umzugehen, sollte in Erwägung ziehen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Manchmal kann es schwierig sein, dass länger bestehende schmerzvolle Gefühl ohne professionelle Hilfe zu bewältigen. Wichtig zu wissen: Chronische Einsamkeit kann zu depressiver Symptomatik führen. Ich begleite Dich gerne dabei, Dein Gefühl der Einsamkeit besser zu verstehen und Deine einschränkenden Gedanken und Gefühle zu ändern.

Vertraue in Deine Kraft!

Deine Michaela