,Ein aktueller Fall aus einem Forum rund um das Thema Wechseljahre, berührte mich sehr. Las ich doch zwischen den Zeilen, was diese wundervolle Frau wirklich beschäftigte. Es gab viele empathische und liebevolle Kommentare und auch ich wollte etwas Positives für die betroffene Frau hinterlassen. 

Der Fall war so geschildert, dass die Frau sich sehr matt/geschwächt fühlt, aufwacht und immer wieder kommen ihr die Tränen und sie grübelt sehr viel. Das kennt sie nicht von sich. Sie vermisst die gemeinsame Zeit mit ihrer inzwischen flügge gewordenen Tochter und hadert damit sehr. Die Tochter fehlt ihr unendlich und in der Partnerschaft gibt es nicht den nötigen Rückhalt und Empathie den sich die Frau so wünscht. Sie arbeitet und engagiert sich auch ehrenamtlich. Aber immer wieder „erwischt“ sie sich dabei, wie sie an früher zurückdenkt und die emotionale Unterstützung und Nähe, Vertrautheit und Wertschätzung ihrer Ursprungsfamilie vermisst. Sie hat mittlerweile auch das Gefühl „verkehrt“ zu sein.

Gerne gebe ich hier in etwas anderer Form meine Antwort an die betroffene Person wieder. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich auch hier Frauen weiterhelfen kann oder zumindest ein wenig Zuversicht vermitteln kann.

„Liebe Inge (Name redaktionell geändert), zuerst einmal Danke an Dich, dass Du Dich so offen und verletzbar zeigst. Ich möchte Dir sagen, dass Du mit Deinen Gefühlen nicht alleine bist. Die Wechseljahre bringen auch eine seelische Wechselstimmung mit sich. Viele Frauen zeigen das bekanntere „Empty Nest Syndrom“ auf, was in Verbindung mit den groß gewordenen Kindern/Auszug der Kinder und damit gefühlter Verlust des Gebrauchtseins als Mutter einhergeht und viele andere Frauen stehen an einer Weggabelung: Weiter wie bisher? Wo stehe ich? Wer bin ich wirklich unabhängig von der Mutterrolle? Wie möchte ich als Frau mein Leben genießen? Und was wünsche ich mir/erwarte ich von meiner Partnerschaft? Gerade das Thema Partnerschaft/Ehe bricht rund um die Wechseljahre bei einigen Frauen auf. Warum? Die Gründe sind vielfältig.

 

Mutterrolle und was kommt danach?

 Sicherlich spielt eine Rolle, dass wir Frauen dazu neigen in der Mutterrolle erst einmal aufzugehen. Biologisch auch so gewollt. Somit sind wir eine lange Zeit erst einmal damit beschäftigt die Kinder zu erziehen und schlussendlich loslassen zu dürfen. Parallel dazu Haushalt, Arbeit, Alltag… Dann noch bitte Freundin, attraktive Partnerin, Ehefrau usw. Nicht jede von uns hat das Glück, das Gefühl einer wertschätzenden wohlwollenden Partnerschaft erleben zu dürfen. Jetzt sind die Kinder aus dem Haus und hinterlassen eine emotionale Lücke. Diese Lücke kann in vielen Fällen nicht vom Partner gefüllt werden. Muss auch gar nicht – denn es ist ratsam in sich selbst zu ruhen, seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und zu befriedigen. Kurzum das Innere Kind in den Arm zu nehmen und zu versorgen.

 

Die emotionale Lücke

Manche Frauen haben auch viel nach zu versorgen, In dieser emotionalen Lücke fällt vielen Frauen auf, dass sie Jahre in einer nicht befriedigenden oder gar nicht erfüllenden Partnerschaft verbracht haben. Die Wechseljahre eine Zeit des Aufbruchs. Eine Entscheidung, oft nach über 20 Jahren Beziehung/Ehe, seinen eigenen Weg zu gehen, ist oft schwer und schmerzhaft. Um sich dieser Frage nicht stellen zu müssen, verstecken sich Frauen oft und gerne hinter dem „ich vermisse meine Kinder so“. Die gefühlte Daseinsberechtigung und emotionale Erfüllung der vergangenen Jahre.

In meinem Praxisalltag erlebe ich diese Umbrüche sehr oft. Die Begleitung der Frauen ist in den meisten Fällen ein Weg in einen neuen Lebensabschnitt zu einem erfüllten eigenständigen Leben, einer sich wieder findenden Partnerschaft, oder auch das Finden und Leben der neuen Mutterrolle (bei Auszug des Kindes). Was es auch bei Dir sein mag, liebe Inge, nehme Dir Deine Zeit nur für Dich. Gehe spazieren! Ich empfehle Dir möglichst am Wasser (See, Fluss…) und horche in Dich hinein, was sagt Dir Dein Inneres Kind. Was fehlt ihr, der kleinen Inge? Und mache Dich auf Deinen Weg. Du hast noch soviel Zeit vor Dir liegen, gestalte diese nach Deiner Lust, Deinen Wünschen und zu Deiner Herzzufriedenheit. Dann kommst Du auch wieder in Deine volle Kraft und Weiblichkeit. Alles Liebe Michaela Peschmann“

 

Wechseljahre – die Fakten

Gerne noch ein paar Fakten: 15 bis 20 % der Frauen haben in den Wechseljahren so massive Stimmungswechsel, dass es ihr Leben beeinträchtigt. Vor allem, wenn eine Frau, die bisher seelisch stabil war, in dieser Altersspanne plötzlich Unruhe, Ängste, vermindertes Selbstwertgefühl, Selbstzweifel, Weinerlichkeit oder stärkere Gereiztheit bei sich feststellt, ist ein hormoneller Zusammenhang wahrscheinlich. Ursache für das Wechselbad der Gefühle ist der Progesteronabfall. Dieses Hormon wird im Körper zu einem Stoff umgebaut, der die Seele ausgleicht. Bei leichten Verstimmungen helfen manchmal rezeptfreie pflanzliche Mittel mit Passionsblume, Frauenmantel oder Lavendelöl, ausgeglichener zu werden. Doch wem trotzdem alles über den Kopf wächst, sollte sich ärztliche Hilfe suchen. Sonst entwickeln sich daraus womöglich eine echte Depression oder Angsterkrankung. Zudem lässt sich dadurch manches Leid ersparen. Eine Psychotherapie kann ergänzend Sinn machen, wenn sich die Patientin in einer Lebenskrise befindet. Wichtig dabei ist, dass die Therapie/Beratung individualisiert wird und nicht für jede Frau gleich aussieht.

 

Ich erarbeite in meiner Praxis mit Klientinnen den 4. Säulen Plan: 

  1. Säule = vermehrt auf pflanzliche Mittel setzen
  2. Säule = auf gesunde Ernährung achten
  3. Säule = aktiv in Bewegung gehen
  4. Säule = emotionale Unterstützung suchen

Wenn auch Du das Gefühl hast, es läuft nicht rund im Wechsel oder Du hast seelischen Ballast, den Du abwerfen möchtest – dann schreibe mir gerne.

Vertraue in Deine Kraft!